Schichtwechsel: Benjamin Engelke tauscht das LebensArt-Café mit dem ASB-Fahrkartenschalter
Menschen mit Beeinträchtigungen lernen in Unternehmen aus ihrer Region den dortigen Betriebsalltag kennen, probieren etwas Neues aus und lernen für sich vielleicht sogar geeignete Berufsfelder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kennen – diese Idee steckt hinter dem bundesweiten Schichtwechsel-Projekt.

Beim Schichtwechsel-Projekt betreut Benjamin Engelke gemeinsam mit Bahnhofsmanagerin Lilly Mico Meier den ASB-Fahrkartenschalter.
Foto: Frank Hermann/ASBZum zweiten Mal nach 2025 hat sich der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) aus Barsinghausen an diesem Projekt beteiligt und drei Mitarbeitende aus den Werkstätten der Lebenshilfe Seelze für einen Tag zu sich eingeladen. Zu den drei Schichtwechsel-Gästen gehörte unter anderem Benjamin Engelke, der gemeinsam mit ASB-Bahnhofsmanagerin Lilly Mico Meier eine Tagesschicht am Fahrkartenschalter des Barsinghäuser ASB-Bahnhofes absolvierte.
Normalerweise arbeitet Benjamin Engelke im Café LebensArt in Holtensen. Zum Zeitpunkt der Eröffnung vor zehn Jahren war das Café LebensArt das erste Inklusions-Café im Calenberger Land. „Dort arbeite ich im Service und im Verkauf, bereite Büfetts und manchmal auch Seminare vor“, berichtete der 39-Jährige, der in Neustadt lebt und täglich mit Zug und Bus über Wunstorf bis nach Holtensen fährt. Schon im vergangenen Jahr habe er beim Schichtwechsel-Projekt mitmachen wollen, aber die Plätze waren schnell vergriffen. „Dieses Mal hat es zum Glück geklappt“, freute sich Benjamin.
Ohne langes Überlegen habe er sich für den Fahrkartenschalter im ASB-Bahnhof entschieden. „Für mich war klar: Da will ich gerne mal reinschnuppern. Denn ich komme gern mit Menschen ins Gespräch und habe heute auch schon einige Fahrkarten verkauft. Es macht mir richtig Spaß“, sagte der Neustädter, der für seinen Schichtwechsel passenderweise mit der S-Bahn angereist war.
Ganz besonders schätze er aber die Möglichkeit, seinen Arbeitsplatz im Café LebensArt für einen Tag mit einer völlig anderen Aufgabe in einem anderen Umfeld zu tauschen. Genauso sieht Bahnhofsmanagerin Lilly Mico Meier den Schichtwechsel: „Eine wunderbare Aktion. Ich habe mich so sehr auf diese Aktion und auf den Besuch von Benjamin gefreut“, erklärte die ASB-Mitarbeiterin. Es sei toll, für Menschen mit Beeinträchtigungen auf diese Weise neuen Raum für Begegnungen und Perspektiven zu schaffen sowie Vorurteile und Klischees abzubauen.
Im Wechsel mit Benjamin Engelke hat übrigens ASB-Kollegin Lena Sonnenberg für einen Tag ihren Platz am Ticketschalter mit der Lebenshilfe-Küche in Seelze getauscht – ebenfalls für einen ganz persönlichen Perspektivwechsel. „Sie hat sich ebenfalls sehr darauf gefreut und kann die dort gesammelten Erfahrungen vielleicht für ihr Studium der sozialen Arbeit gut gebrauchen“, meinte Lilly Mico Meier.
Nach Einschätzung von Beate Habel, Leiterin der Aus- und Fortbildung im ASB-Regionalverband, bietet das Schichtwechsel-Projekt „eine tolle Möglichkeit einerseits Menschen mit Einschränkungen an den Arbeitsmarkt heranzuführen und gleichzeitig aber auch, Barrieren – oft durch Vorurteile und mangelnde Berührungspunkte entstanden – abzubauen. Wir werden auf jeden Fall dieses Projekt weiterhin unterstützen.“




